Studie analysiert tatsächliche Kosten von Gasstrom
Der mögliche Bau neuer Gaskraftwerke sorgt in Deutschland seit Monaten für intensive Diskussionen. Die Anlagen sollen vor allem dann einspringen, wenn Windräder und Solaranlagen zu wenig Energie liefern. Eine aktuelle Untersuchung stellt jedoch infrage, ob diese Strategie langfristig wirtschaftlich sinnvoll ist. Denn vieles deutet darauf hin, dass neue Gaskraftwerke deutlich teurer als erneuerbare Alternativen sein könnten.
Nach einer Analyse des Forums Ökologische Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der Energiegenossenschaft Green Planet Energy könnte Strom aus neuen Gaskraftwerken erheblich teurer sein als Energie aus erneuerbaren Quellen mit entsprechenden Backup-Lösungen. Besonders deutlich wird der Unterschied, wenn neben den direkten Produktionskosten auch Umwelt- und Klimafolgen berücksichtigt werden.
Gasstrom deutlich teurer, wenn Folgekosten einbezogen werden
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, welche Gesamtkosten entstehen, wenn neue Gaskraftwerke als flexible Reserve im Stromsystem eingesetzt werden. In politischen Debatten werden häufig nur die direkten Kosten der Stromerzeugung betrachtet – etwa Investitionen in Kraftwerke, Betriebsausgaben und Brennstoffpreise.
Die Studie bezieht auch sogenannte externe Kosten ein, darunter wirtschaftliche Schäden durch Treibhausgasemissionen sowie mögliche Risiken durch steigende Gaspreise. Entsprechend deutlich formulieren die Autoren der Studie ihr Ergebnis:
„Die wahren Kosten von Strom aus Gaskraftwerken sind dreimal höher als die reinen Stromgestehungskosten.“
Je nach Szenario könnten die gesamten gesellschaftlichen Kosten von Gasstrom laut Analyse sogar bis zu 67 Cent pro Kilowattstunde erreichen. Entscheidend dafür sind unter anderem zukünftige CO₂-Preise, Brennstoffkosten sowie die Laufzeit der Anlagen.
Warum erneuerbare Energien mit Speicher wirtschaftlicher werden
Ein zentraler Grund für den Kostenunterschied liegt in der Struktur der Energieerzeugung. Fossile Kraftwerke benötigen dauerhaft Brennstoff, während bei erneuerbaren Anlagen der größte Teil der Kosten bereits beim Bau entsteht.
Sind Windräder oder Solaranlagen erst installiert, erzeugen sie Strom ohne laufende Brennstoffkosten. Dadurch reagieren sie deutlich weniger empfindlich auf Schwankungen an den internationalen Energiemärkten.
In Kombination mit Technologien zur Flexibilisierung des Stromsystems können erneuerbare Energien zudem Versorgungslücken ausgleichen. Dazu zählen Batteriespeicher, steuerbare Stromnachfrage in Industrie und Haushalten sowie künftig auch Kraftwerke auf Basis von grünem Wasserstoff.
Solche Systeme könnten laut Studie langfristig kostengünstiger sein als der Bau zusätzlicher fossiler Reservekraftwerke.
Energiepolitik sucht nach Lösungen für Versorgungssicherheit
Die Diskussion über neue Kraftwerke findet in einer Phase tiefgreifender Veränderungen im deutschen Energiesystem statt. Mit dem geplanten Ausstieg aus der Kohleverstromung verändert sich die Struktur der Stromproduktion grundlegend.
Gleichzeitig steigt der Strombedarf. Elektromobilität, Wärmepumpen und die Elektrifizierung vieler Industrieprozesse führen dazu, dass in den kommenden Jahren deutlich mehr Energie benötigt wird.
Um Versorgungssicherheit zu gewährleisten, plant die Politik neue flexible Kraftwerkskapazitäten. Diese sollen vor allem in sogenannten Dunkelflauten einspringen – also in Zeiten, in denen gleichzeitig wenig Wind weht und wenig Solarstrom erzeugt wird.
Während viele Experten solche Reservekapazitäten für notwendig halten, warnen Kritiker vor langfristigen Lock-in-Effekten. Neue Gaskraftwerke könnten über Jahrzehnte betrieben werden müssen, um wirtschaftlich zu bleiben, was wiederum Investitionen in erneuerbare Alternativen bremsen würde.
Mit dem weiteren Ausbau von Wind- und Solarenergie gewinnt deshalb auch die Frage nach der wirtschaftlich sinnvollsten Form der Backup-Versorgung zunehmend an Bedeutung.
Fazit der Analyse: Erneuerbare Flexibilität könnte langfristig günstiger sein
Die Studie liefert neue Impulse für die energiepolitische Diskussion über den Bau zusätzlicher Gaskraftwerke in Deutschland. Sie zeigt, dass Strom aus solchen Anlagen deutlich höhere Gesamtkosten verursachen kann als bislang häufig angenommen. Werden neben den direkten Produktionskosten auch Klima- und Umweltfolgen berücksichtigt, könnte Gasstrom zwei- bis dreimal so teuer sein wie Strom aus erneuerbaren Energien mit entsprechenden Backup-Lösungen.
Wenn neue Gaskraftwerke deutlich teurer werden könnten, bleibt die Frage der Versorgungssicherheit weiterhin zentral für die Energiewende. Flexible Kraftwerke sollen Strom liefern, wenn Wind und Sonne nicht ausreichen. Die Analyse legt jedoch nahe, dass erneuerbare Energien in Kombination mit Speichern und anderen Flexibilitätsoptionen langfristig wirtschaftlicher sein könnten. Für die Energiepolitik bedeutet das, Kosten, Klimaziele und Versorgungssicherheit künftig noch stärker gemeinsam abzuwägen.
