Solarparks als Weideland: Studie sieht großes Potenzial für doppelte Flächennutzung

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Studienergebnis zeigt neue Möglichkeiten für Landwirtschaft und Photovoltaik

Der Ausbau von Solarparks sorgt immer wieder für Diskussionen. Kritiker warnen häufig davor, dass große Photovoltaik-Freiflächenanlagen wertvolle landwirtschaftliche Nutzflächen blockieren. Eine aktuelle Studie kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis, nämlich dem, dass selbst klassische Solarparks als Weideland brauchbar sind.

Ein Forschungsbericht des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (bne) zeigt, dass die Flächen unter und zwischen Solarmodulen häufig ausreichend Vegetation für Nutztiere bieten. Damit wäre eine Doppelnutzung möglich, bei der Strom produziert und gleichzeitig Landwirtschaft betrieben wird.

Die Ergebnisse könnten die Debatte um Flächenkonkurrenz zwischen Landwirtschaft und Energiewende neu bewerten. Und das mit der Perspektive einer Win-win-Situation.


Grünflächen unter Solarmodulen eignen sich als Futterquelle

Im Rahmen der Untersuchung analysierten Forschende mehrere Solarparks in Deutschland. Ziel war es herauszufinden, ob die dort wachsenden Pflanzen als Futter für Weidetiere geeignet sind.

Das Ergebnis fällt positiv aus. Die Vegetation unter den Photovoltaik-Modulen weist laut Studie eine ausreichende Qualität als Weidefutter auf. Besonders für Schafe und Rinder bieten die Flächen gute Bedingungen.

Die Tiere profitieren dabei von den schattigen Bereichen, die durch die Solarmodule entstehen. Gleichzeitig halten sie die Vegetation kurz, was für den Betrieb der Anlagen von Vorteil ist. Hohe Pflanzen können Solarmodule verschatten und die Stromproduktion beeinträchtigen. Durch die Beweidung wird dieses Problem auf natürliche Weise reduziert.

Solarparks könnten damit nicht nur Energie liefern, sondern gleichzeitig aktiv zur landwirtschaftlichen Nutzung beitragen.


Geringere Pflegekosten für Betreiber von Photovoltaikanlagen

Ein weiterer Vorteil der Weidenutzung liegt in der Pflege der Anlagen. In vielen Solarparks müssen Betreiber regelmäßig mähen, damit Gras und Pflanzen nicht zu hoch wachsen.

Wenn stattdessen Schafe oder Rinder auf den Flächen grasen, übernehmen sie diese Aufgabe. Das reduziert Wartungs- und Pflegekosten für die Betreiber der Photovoltaikanlagen.

Gleichzeitig entsteht für Landwirte eine zusätzliche Nutzungsmöglichkeit. Sie können ihre Tiere auf den Flächen weiden lassen und damit zusätzliche Einnahmen generieren oder bestehende Weideflächen entlasten.

Die Kombination aus Energieproduktion und Landwirtschaft kann somit für beide Seiten wirtschaftlich interessant sein.


Solarparks als Weideland könnten die Akzeptanz der Energiewende erhöhen

Der Geschäftsführer des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft, Robert Busch, sieht in der Mehrfachnutzung der Flächen großes Potenzial:

„Wir müssen Klima, Naturschutz, Landwirtschaft und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden. Solarparks sind das beste Beispiel dafür. Zwischen Heuschrecken und Feldlerchen steht Hightech, die Haushalte und Industrie mit günstigstem Strom versorgt.“

Wenn Solarparks gleichzeitig landwirtschaftlich genutzt werden können, könnte dies die gesellschaftliche Akzeptanz für neue Photovoltaikprojekte erhöhen. Viele Konflikte rund um Solarparks entstehen aus der Sorge, dass landwirtschaftliche Flächen verloren gehen.

Die Studie zeigt jedoch, dass diese Flächen weiterhin produktiv genutzt werden können. Statt ausschließlich der Stromerzeugung zu dienen, könnten sie gleichzeitig als Weideland für Nutztiere genutzt werden und damit Teil der landwirtschaftlichen Wertschöpfung bleiben. Eine solche Doppelnutzung kann helfen, Vorbehalte gegenüber neuen Solarparks abzubauen, weil Energieproduktion und Landwirtschaft nicht mehr als Gegensätze wahrgenommen werden, sondern sich sinnvoll ergänzen.


Unterschied zwischen klassischem Solarpark und Agrivoltaik

Bisher galt vor allem die sogenannte Agrivoltaik als Lösung für eine doppelte Flächennutzung. Dabei werden Solarmodule so installiert, dass darunter weiterhin Ackerbau oder Viehhaltung möglich ist.

Diese Anlagen sind jedoch technisch komplexer und häufig deutlich teurer als klassische Freiflächen-Solarparks.

Die neue Untersuchung zeigt nun, dass eine Kombination aus Stromproduktion und Tierhaltung auch ohne spezielle Agrivoltaik-Konstruktionen möglich ist. Selbst konventionelle Solarparks bieten offenbar genügend Raum und Vegetation, damit Tiere dort grasen können.

Das könnte bedeuten, dass viele bestehende Anlagen bereits heute eine zusätzliche landwirtschaftliche Funktion erfüllen können.


Solarparks können auch zur Biodiversität beitragen

Neben der landwirtschaftlichen Nutzung sehen Forschende auch ökologische Vorteile. Untersuchungen zeigen, dass Photovoltaik-Freiflächenanlagen Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten bieten können. In mehreren Solarparks wurden verschiedene Insekten, Vogelarten sowie eine vielfältige Vegetation nachgewiesen.

Gerade in intensiv genutzten Agrarlandschaften entstehen dadurch wertvolle Rückzugsräume für Arten, die in konventionell bewirtschafteten Feldern kaum geeignete Lebensbedingungen finden. Wenn solche Flächen zusätzlich als Weideland genutzt werden, kann eine besonders nachhaltige Form der Landnutzung entstehen, bei der Energieerzeugung, Landwirtschaft und Naturschutz sinnvoll miteinander kombiniert werden.


Photovoltaik bleibt zentral für die Energiewende

Deutschland verfolgt ehrgeizige Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien. Photovoltaik gilt dabei als einer der wichtigsten Bausteine für eine klimaneutrale Stromversorgung.

Um diese Ziele zu erreichen, müssen jedoch große zusätzliche Flächen erschlossen werden. Gerade deshalb wird intensiv über die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen diskutiert.

Die Ergebnisse der Studie könnten helfen, diese Debatte zu versachlichen. Wenn Solarparks gleichzeitig als Weideland genutzt werden können, entsteht eine doppelte Flächennutzung.

Stromproduktion und Landwirtschaft würden dann nicht mehr im Wettbewerb stehen.


Solarparks und Landwirtschaft müssen kein Widerspruch sein

Die Untersuchung des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft zeigt, dass Photovoltaik-Freiflächenanlagen vielseitiger genutzt werden können als lange angenommen. Neben der Stromproduktion eröffnen sich zusätzliche Möglichkeiten für eine landwirtschaftliche Nutzung der Flächen.

Wenn Schafe oder Rinder zwischen den Solarmodulen grasen, profitieren sowohl Betreiber als auch Landwirte. Die Tiere halten die Vegetation kurz und übernehmen damit einen Teil der Flächenpflege. Gleichzeitig entsteht erneuerbarer Strom, sodass sich Solarparks zunehmend zu multifunktionalen Flächen entwickeln könnten, die Energieversorgung und Landwirtschaft sinnvoll miteinander verbinden.

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