Negative Preise wegen Solarstrom-Überangebot

wegen Solarstrom im Überangebot

Negative Preise wegen Solarstrom-Überangebot: Veränderung am deutschen Strommarkt

Der deutsche Strommarkt befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Mit dem schnellen Zubau von Photovoltaikanlagen gibt es immer öfter negative Preise wegen Solarstrom-Überangebot.

Denn nicht nur der Anteil an erneuerbaren Energien steigt, sondern auch die Volatilität der Strompreise. Immer häufiger rutschen die Preise an der Börse in den negativen Bereich – vor allem dann, wenn hohe Solarstromerzeugung auf eine schwache Nachfrage trifft. In einzelnen Zeitfenstern wird inzwischen ein erheblicher Teil des Solarstroms zu Preisen unter null gehandelt.


Sind negative Preise ein strukturelles Marktphänomen?

Negative Strompreise entstehen nicht zufällig, sondern sind Ausdruck eines strukturellen Ungleichgewichts zwischen Erzeugung und Verbrauch. Immer dann, wenn deutlich mehr Strom angeboten wird als nachgefragt, fällt der Börsenpreis unter null. Für Erzeuger bedeutet das, dass sie für die Einspeisung ihres Stroms zahlen müssen, anstatt Erlöse zu erzielen.

Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien haben solche Situationen deutlich zugenommen. Während konventionelle Kraftwerke ihre Produktion anpassen können, speisen Solar- und Windanlagen wetterbedingt ein. Das verschiebt die Preisbildung spürbar und macht negative Preise zu einem wiederkehrenden Marktelement.


Warum Solarstrom den Preis besonders stark drückt

Photovoltaik wirkt besonders stark auf die Strompreise, weil große Erzeugungsmengen zeitgleich anfallen. Zur Mittagszeit erreichen viele Anlagen ihre maximale Leistung, unabhängig davon, ob der Strom zu diesem Zeitpunkt benötigt wird. Da Solarstrom nahezu keine variablen Kosten verursacht, wird er auch bei sehr niedrigen oder negativen Preisen weiter eingespeist.

Diese Gleichzeitigkeit führt dazu, dass Solarstrom sich selbst wirtschaftlich entwertet. Je größer das Angebot zur gleichen Zeit ist, desto stärker sinkt der Marktpreis. Der Effekt verstärkt sich mit jedem zusätzlich installierten Megawatt Photovoltaikleistung.


Negative Preise wegen Solarstrom-Überangebot – Ein Blick auf die Marktentwicklung

Aktuelle Marktauswertungen zeigen, dass ein relevanter Anteil der Solarstromerzeugung inzwischen in Zeiträumen mit negativen Preisen stattfindet. Über das Jahr verteilt betrifft dies einen zweistelligen Prozentanteil der Erzeugung. An einzelnen sonnigen Feiertagen konzentriert sich die Einspeisung sogar nahezu vollständig auf Phasen mit Preisverfall.

Die Bundesnetzagentur beschreibt diese Situation in einem Fachbericht deutlich und macht klar, dass Preissignale allein derzeit nicht ausreichen, um das System auszubalancieren:

„So findet sogar bei negativen Börsenpreisen eine Zuführung von Strom in die Verbrauchernetze statt. Bei diesem preisunelastischen Verhalten bezahlen die Kraftwerksbetreiber für die Abnahme ihres Stroms.“


Was negative Preise für Betreiber bedeuten

Für Betreiber von Photovoltaikanlagen sind negative Preise wegen Solarstrom-Überangebot mehr als ein theoretisches Marktphänomen. Insbesondere Anlagen in der Direktvermarktung spüren die Effekte unmittelbar, da ihre Erlöse direkt an den Börsenpreis gekoppelt sind. Längere Phasen mit negativen Preisen können die Einnahmen deutlich reduzieren.

Zusätzlich greifen regulatorische Vorgaben, nach denen in bestimmten Situationen keine Vergütung gezahlt wird. Das erhöht den wirtschaftlichen Druck und zwingt Betreiber dazu, ihre Vermarktungsstrategien neu zu bewerten.


Der Kannibalisierungseffekt als Wachstumsbremse

Ein zentrales Problem ist der sogenannte Kannibalisierungseffekt. Mit jedem weiteren Ausbau der Photovoltaik sinkt der Wert des erzeugten Stroms genau in den Stunden, in denen besonders viel davon verfügbar ist. Das führt dazu, dass zusätzliche Erzeugung nicht automatisch zu höheren Erlösen führt.

Für Projektierer und Investoren bedeutet das eine wachsende Unsicherheit. Klassische Erlösmodelle verlieren an Aussagekraft, während flexible und kombinierte Konzepte an Bedeutung gewinnen.


Speicher, Eigenverbrauch und neue Geschäftsmodelle

Angesichts der zunehmenden Preisvolatilität rücken Speicherlösungen stärker in den Fokus. Batteriespeicher ermöglichen es, Solarstrom zeitlich zu verschieben und gezielt in Phasen höherer Nachfrage zu nutzen oder zu verkaufen. Damit lassen sich Erlösrisiken begrenzen und Netze entlasten.
Auch der Eigenverbrauch gewinnt an strategischer Bedeutung. Die direkte Nutzung von Solarstrom – etwa für Elektromobilität, Wärmepumpen oder industrielle Prozesse – reduziert die Abhängigkeit vom Strommarkt und erhöht die wirtschaftliche Stabilität von Anlagen.


Warum Flexibilität zur Schlüsselressource wird

Der weitere Ausbau der Photovoltaik wird nur dann erfolgreich sein, wenn das Energiesystem insgesamt flexibler wird. Neben Speichern spielen steuerbare Verbraucher, Lastmanagement und ein leistungsfähiges Netz eine entscheidende Rolle.

Negative Strompreise sind daher weniger ein Zeichen von Fehlsteuerung als vielmehr ein Hinweis auf den tiefgreifenden Wandel des Stromsystems. Die Herausforderung besteht darin, diesen Wandel wirtschaftlich und regulatorisch sinnvoll zu begleiten.

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